FotoKompass

Effektive Bildbearbeitung mit Presets: Den Workflow für Naturfotos optimieren

Lightroom-Presets im Bildbearbeitungs-Workflow: zwei Varianten eines Landschaftsfotos im Vergleich

Zwei Vorschaubilder liegen nebeneinander auf dem Bildschirm, beide vom selben Abend im Stadtgarten in Freiburg-Wiehre, und ich brauche ein paar Sekunden, um zu sagen, welches der beiden Bilder besser ist, obwohl ich eines mit einem Preset und das andere komplett von Hand bearbeitet habe. Beide Versionen starten bei denselben RAW-Dateien meiner Sony Alpha 6400, trotzdem wirken sie am Ende wie zwei unterschiedliche Fotos. Genau das ist für mich als Hobbyfotograf mit Hang zu Tabellen die eigentliche Frage hinter jedem Bildbearbeitungs-Workflow mit Lightroom-Presets für Landschaftsfotografie: Bringt mich das fertige Preset schneller zu einem guten Bild, oder kostet mich die reine Handarbeit am Ende weniger Nerven?

Zwei Wege zum selben RAW-Bild: Lightroom-Presets pur gegen Presets mit Kontrolle

Ein Preset ersetzt die Handarbeit nicht, es verschiebt nur, wo die Handarbeit anfängt — das ist für mich der ganze Unterschied zwischen den beiden Wegen. Trotzdem war mein erster Impuls nach dem Kauf eines Presets-Pakets für Landschaftsfotografie genau das zu vergessen und das Preset wie einen Schalter zu benutzen: drauflegen, exportieren, fertig.

Die ersten Versuche an solchen Abendaufnahmen im Stadtgarten waren ernüchternd. Einmal kippte das Grün der Bäume ins Türkise, einmal wirkte der Rasen so übersättigt, dass das Bild aussah wie eine schlechte Filteranwendung statt wie ein Foto aus Freiburg-Wiehre. Noch deutlicher wurde es, als ich denselben Landschafts-Look testweise auf ein Foto meines Schwiegervaters in der Garage gelegt habe: Haut wirkte damit genauso giftig grün wie vorher das Gras. Jeder lokale Korrekturpunkt, den ich dabei gesetzt habe, kam mit einem harten Klack der Maustaste, aber gezählt habe ich die Klicks erst, als mir klar wurde, dass ich Presets eher als Ausgangspunkt behandeln sollte und nicht als Ziel.

Lightroom-Entwickeln-Modul auf dem Laptop beim Testen eines Landschaftsfotografie-Presets im Bildbearbeitungs-Workflow

Was bringt ein Preset wirklich für den Zeit-Benchmark?

In meinem Vergleich von Lightroom Presets für Landschaften bin ich am Ende auf etwa 15 manuelle Handgriffe gekommen, die mir ein einzelnes Preset im Schnitt abnimmt, und genau das ist der Teil, der sich tatsächlich wie Zeitersparnis anfühlt. Von den Presets im Paket selbst nutze ich im Alltag nur noch drei, der Rest liegt im Ordner und wird nicht mehr angefasst.

Bei den Kursen rechne ich ähnlich nüchtern: Was bringt eine zusätzliche Lektion pro Woche wirklich, wenn der Lerneffekt nach den ersten Modulen spürbar abflacht? Für mich ist die Antwort inzwischen ein klarer ROI-Gedanke statt eines Bauchgefühls, und dieselbe Rechnung wende ich inzwischen auch auf jedes neue Preset-Paket an, bevor ich es überhaupt kaufe.

Die Drei-Punkte-Kontrolle nach jedem Preset einbauen

Nach jedem Preset prüfe ich inzwischen drei Dinge: den Weissabgleich, die Belichtung und das Histogramm, weil mich die Bildschirmhelligkeit am Laptop abends zu oft täuscht. Wenn du dir ein Preset-Paket kaufst, kannst du dir diese drei Schritte danach nicht sparen, egal wie gut das Vorschaubild im Shop aussieht. Genau dieser Schritt hilft mir dabei, wenn ich natürliche Landschaftsfotos in Lightroom erstelle statt überzogener Hochglanz-Varianten. Schiebt ein Preset die Sättigung auf plus 40, drehe ich meist auf plus 15 zurück, weil mir die Bäume im Stadtgarten sonst zu giftig grün geraten.

Ein Foto vom Herbstnebel in der Wutachschlucht, bei dem ich diese drei Schritte zum ersten Mal wirklich konsequent durchgezogen habe, bekam auf Instagram etwa dreimal so viele Likes wie alles, was ich vorher hochgeladen hatte, und das ist für mich bis heute der Beleg, dass Kontrolle mehr bringt als das Preset allein. Fortschritt lässt sich seitdem für mich eher an der Zahl der Korrekturschritte messen, die noch nötig sind, als an einem vagen Gefühl von "sieht gut aus".

Sony Alpha 6400 neben einem ausgedruckten Landschaftsfoto als Beispiel für Hobbyfotograf-Tipps zur Bildbearbeitung

Capture One zeigt: Das Problem liegt nicht an der Software

Hansjörg Riedl vom Fotostammtisch hat deutlich mehr Ahnung von Sensortechnik als ich, und er teilt das auch ungefragt, meistens direkt nachdem ich ein Bild auf dem Handy herumgezeigt habe. Er bearbeitet ausschließlich in Capture One, nie in Lightroom, und sein erster Kommentar zu meinem türkisen Himmel war, dass das Problem nicht am Preset liegt, sondern daran, dass ich dem ersten Klick mehr vertraue als meinem eigenen Auge. Capture One kennt keine Presets im klassischen Lightroom-Sinn, sondern Styles, aber das Prinzip dahinter ist identisch: Er wendet einen Style an und korrigiert danach genauso konsequent wie ich mit meiner Drei-Punkte-Kontrolle. Der eigentliche Unterschied zwischen uns beiden ist also nicht Lightroom gegen Capture One, sondern ob man dem ersten Klick traut oder nicht.

Batch-Tempo versus Einzelbild-Pflege

Roswin Buß hat sich nach einem Forenbeitrag von mir im DSLR-Forum gemeldet, weil er nach Renntag-Shoots teilweise mehrere hundert Motorsport-Aufnahmen in kurzer Zeit durchsortieren und einheitlich belichten muss. Für ihn ist meine Drei-Punkte-Kontrolle pro Bild schlicht zu langsam. Bei 50 RAW-Dateien aus einem ruhigen Abend im Stadtgarten mag Einzelkontrolle funktionieren, bei mehreren hundert Bildern von einer Rennstrecke würde auch ich auf reines Batch-Preset ohne Einzelprüfung umsteigen.

Für meine eigene Foto-Sammlung bleibt die Regel trotzdem einfach: Presets sind der erste Entwurf, nicht die Abgabe. Ein guter Lightroom Komplettkurs hilft dabei enorm, die Logik hinter den Reglern zu verstehen, statt sich Wissen zufällig aus YouTube-Tutorials zusammenzusuchen, aber er ersetzt nicht die Kontrolle nach jedem Preset. Ein separater Landschafts-Spezialkurs bringt an dieser Stelle wenig zusätzlichen Wert, wenn das eigentliche Problem die fehlende Prüfung ist und nicht fehlendes Fachwissen. Und solange mein RAW-Katalog überschaubar bleibt, bei vielleicht fünfzig Bildern pro Abend, lohnt sich für mich die Handarbeit nach dem Preset mehr als jede zusätzliche Automatisierung.

Verwandte Artikel