
Vier Komplettkurse und ein Preset-Paket liegen inzwischen hinter mir, und trotzdem sitze ich manchmal noch vor den falschen Reglern. Meine Sony Alpha 6400 habe ich zum 40. Geburtstag bekommen, als Ansage, endlich aus dem Smartphone-Modus rauszukommen. Was danach kam, war kein einzelner Geistesblitz, sondern eine lange Liste an Kursen, Modulen und Presets, die ich wie im Büro durchgerechnet habe: was bringt was, für welchen Zweck, in der Bildbearbeitung im Hobby-Alltag zwischen Job und Familie, und wo sich der Workflow tatsächlich optimieren lässt. Die Schwarzwald-Fotografie war dabei mein Testfeld, weil ich davon mit Abstand das meiste Rohmaterial habe.
Diese Seite finanziert sich über Affiliate-Links, das gehört zur Transparenz dazu. Kaufst du über einen der Links hier einen Kurs oder ein Preset-Paket, bekomme ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich schreibe hier nur über Sachen, die ich selbst bezahlt und über einen längeren Zeitraum nach Feierabend durchgearbeitet habe, alles andere wäre für einen Controller schwer auszuhalten.
Der Irrglaube vom einen Kurs, der für alles reicht
Reiner aus der Controlling-Abteilung hat mich neulich beim Feierabendbier gefragt, welchen Kurs er sich holen soll, bevor er seine alte Nikon überhaupt wieder aus dem Schrank holt. Meine ehrliche Antwort: kommt drauf an, wofür. Er wollte eigentlich nur eine schnelle Empfehlung, keine Rückfrage, aber genau da liegt der Denkfehler, den ich bei den meisten Hobbyfotografen sehe, mich eingeschlossen am Anfang.
Ob YouTube-Häppchen ohne System einen ähnlichen Effekt bringen wie ein durchstrukturierter Kurs, hab ich an anderer Stelle bereits ausführlich verglichen. Hier geht es um die nächste Frage, die danach kommt: nicht Kurs gegen YouTube, sondern welcher Kurs für welchen Zweck. Der Irrglaube, dem ich selbst am Anfang aufgesessen bin: ein einziger Kurs deckt alles ab, wenn er nur gut genug bewertet ist. Stimmt so nicht, jedenfalls nicht nach vier verschiedenen Programmen. Ein Grundlagenkurs bringt dir Lightroom Bildbearbeitung lernen von Grund auf bei, inklusive sauberer Tonwertkorrektur, aber er sagt dir nichts darüber, wie du in der Wutachschlucht bei Gegenlicht die Grüntöne auseinanderhältst oder wie ein Haus im Exposé wirkt. Bevor du kaufst, würde ich mir eine einzige Frage stellen: Willst du die Grundlagen sauber lernen, dich in einen Bereich wie Immobilien oder Landschaft vertiefen, oder einfach nur schneller durch deine Bearbeitung kommen? Das sind drei unterschiedliche Kaufentscheidungen, keine einzige.

Muss ein Kurs wirklich alles können?
Nach welchen Kriterien ein Kurs überhaupt zu den guten zählt, hab ich an anderer Stelle sauber durchdekliniert. Ob ein Grundkurs vor einer Spezialisierung kommen sollte, ist eine ähnliche Rechnung, die ich woanders aufmache. Und wie sich das Ganze neben einem Vollzeitjob eintakten lässt, ist nochmal ein eigenes Kapitel für sich.
Blende, ISO und Zeit erkläre ich an dieser Stelle bewusst nicht, dafür gibt es anderswo ein eigenes Glossar. Was jeder einzelne Regler im Entwicklungsmodul technisch verändert, spare ich mir hier genauso, das würde den Vergleich sprengen. Ob ein deutschsprachiger Kurs gegenüber einem englischen Tutorial-Kanal im Vorteil ist, ist wieder eine andere Geschichte. Dass ein frisch importiertes RAW-Bild vom MacBook erstmal flach und blass aussieht, ist ebenfalls ein Thema für sich, dazu hab ich extra etwas zum RAW Fotos entwickeln in Lightroom geschrieben.
Lightroom-Komplettkurs oder Spezialkurs: vier Wege im Vergleich
Am längsten hängen geblieben bin ich beim Adobe Lightroom Classic Komplettkurs, meistens abends am Wohnzimmertisch, halber Bildschirm Kursvideo, halber Bildschirm mein eigenes Bild aus dem RAW-Archiv auf der externen Platte daneben. Über 40 Videolektionen, aufgeteilt in Häppchen von 2 bis 7 Minuten, das passt in eine Kaffeepause oder ins Zeitfenster bevor die Kinder am Samstag wach werden. Bezahlt wird einmalig, nicht im Abo. Die 30 mitgelieferten Beispielfotos waren für mich der eigentliche Benchmark, weil ich meine eigene Bearbeitung direkt neben die des Kursleiters legen konnte. Was nicht funktioniert hat: eine schnelle Antwort erwarten, wenn in einem Modul mal etwas nicht klick macht. Es gibt keine Facebook- oder Telegram-Gruppe, nur die Chatfunktion, und da hab ich schon mal zwei, drei Tage auf eine Antwort gewartet.
Einen Sonderfall bildet der Immobilienfotografie Online-Kurs, den ich mir geholt habe, nachdem mein Schwiegervater vor dem Hausverkauf nach Fotos für sein Exposé gefragt hat. Acht Module in klarer Reihenfolge, von der Ausrüstung bis zum Grundriss, dazu drei Checklisten zum Abhaken, eine davon hatte ich beim Termin als PDF auf dem iPad offen statt alles im Kopf zu behalten. Wie sich diese Art Spezialisierung im Detail für den Hausverkauf-Fall geschlagen hat, hab ich an anderer Stelle ausführlich aufgeschrieben, hier nur so viel: Was nicht funktioniert hat, war die Facebook-Gruppe zum Austausch, die ich mangels Facebook-Nutzung praktisch nie geöffnet habe. Und für das empfohlene HDR-Modul hätte ich eigentlich eine zusätzliche Software gebraucht, die hab ich mir gespart und die Belichtungsreihen stattdessen komplett in Lightroom zusammengesetzt, ging auch, aber eben nicht der vorgesehene Weg.
Presets als Tempo-Booster, nicht als Zauberformel
Presets kaufte ich mir zusätzlich als 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen, gedacht als Workflow-Optimierung, nicht als Ersatz fürs Verständnis. Wie sich die 100 Looks in 13 Kategorien im echten Wochenend-Einsatz schlagen, also welche ich wirklich benutze und welche nur Archiv-Ballast sind, hab ich an anderer Stelle ausführlich durchgetestet. Ob sich der Kauf gegenüber rein manueller Bearbeitung überhaupt lohnt, ist ebenfalls eine eigene Rechnung, die ich dort aufmache.
Mein größter Fehlgriff dabei: eine Zeit lang hab ich bei praktisch jedem Bild den Klarheit-Regler auf plus 100 gezogen, weil das im ersten Moment knackiger wirkte. Auf dem kleinen MacBook-Bildschirm sah das beeindruckend aus, auf einem größeren Monitor wirkten die Kanten meiner Schwarzwald-Bilder dann plötzlich hart und die Übergänge unnatürlich. Wie man diesen Grat zwischen sattem und künstlich wirkendem Ergebnis nicht überschreitet, ist übrigens auch ein eigenes Thema für sich.
Bei einem Bild vom Titisee ist mir neulich zum ersten Mal richtig aufgefallen, wie gut ein einzelnes Preset zum Motiv passen kann: Der Grünton der Tannen am Ufer traf genau das, was ich in Erinnerung hatte, ohne dass ich an einem einzigen Regler selbst nachjustieren musste. Solche Treffer sind aber die Ausnahme, nicht die Regel.

Was ich einem Kollegen raten würde
Wer noch überlegt, ob sich ein Lightroom Kurs für Anfänger mit festem Lehrplan überhaupt lohnt: Was so ein Kurs am Ende pro Lektion tatsächlich bringt, hab ich an anderer Stelle bis ins Detail vorgerechnet. Genauso die Frage Einmalzahlung gegen Abo, die ich separat sauber gegenübergestellt habe.
Für alle, die ohnehin schon mit Photoshop arbeiten, gibt es noch die Schiene Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop aus der Tabelle unten. Reines Landschaftsthema, kein Lightroom-Workflow, und diesen Kurs habe ich selbst noch nicht durchgearbeitet, er steht bei mir als Plan B auf der Liste, falls ich Lightroom irgendwann kündige. Über 9 Jahre ist der Anbieter schon auf dem Markt, das ist in der Kursbranche ungewöhnlich lang und spricht zumindest gegen ein Eintagsfliegen-Geschäft. Ob sich eine deutschsprachige Alternative zu Lightroom insgesamt lohnt, hab ich in einem eigenen Test durchgekaut.
Adelheid, eine Leserin, die sich nach dem letzten Kursvergleich hier gemeldet hat, schrieb mir vor Kurzem, dass es bei ihr spürbar vorangeht, seit sie sich für einen der Kurse entschieden hat. Genau das ist der Punkt: nicht der Kurs mit den meisten Sternen gewinnt, sondern der, der zur eigenen Situation passt.
Den Adobe Lightroom Classic Komplettkurs würde ich trotzdem an den Anfang jeder Überlegung stellen, weil er das breiteste Fundament liefert, bevor man sich in eine Richtung wie Immobilien oder Landschaft spezialisiert. Die Preise auf den Verkaufsseiten schwanken erfahrungsgemäß, ein kurzer Blick auf das aktuelle Angebot lohnt sich also vorher. Am Ende zählt für mich nur, ob das Bild auf dem Bildschirm wieder das zeigt, was ich im Moment der Aufnahme gesehen habe, ob das nun mein Sohn auf dem Laufrad ist oder mein Schwiegervater vor seinem Haus.
| Produkt | Bewertung | |
|---|---|---|
| Adobe Lightroom Classic Komplettkurs Top Pick | 9.2 | Mehr erfahren → |
| Der allumfassende Immobilienfotografie Online-Kurs | 8.7 | Mehr erfahren → |
| 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen | 8.4 | Mehr erfahren → |
| Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop | 7.9 | Mehr erfahren → |
Adobe Lightroom Classic Komplettkurs
Vorteile
- ✓ Kurze Lektionen (2-7 Min.) ideal für Berufstätige
- ✓ 30 RAW-Beispielfotos für direkten Vergleich inklusive
- ✓ Einmalzahlung statt monatlichem Kurs-Abo
- ✓ Systematischer Aufbau von den Basics bis zum Export
Nachteile
- − Keine Facebook-Gruppe für schnellen Austausch
- − Support-Antworten dauern manchmal 2-3 Tage