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Immobilienfotografie Kurs für Einsteiger: Meine Bilanz nach dem Hausverkauf

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Immobilienfotografie Kurs für Einsteiger: Sony Alpha 6400 Fotos vom Hausverkauf in Lightroom bearbeitet

Der Irrglaube: Gute Familienfotos reichen für Immobilienfotografie

18 Lektionen zählte der Onlinekurs für Immobilienfotografie, den ich mir für das Haus meines Schwiegervaters gekauft habe – und schon nach der dritten war mir klar, dass fast alles, was mit meiner Sony Alpha 6400 bei Familienfotos oder Landschaften funktioniert, in einem fremden Wohnzimmer versagt. Die Maklerin brauchte Bilder von Küche und Bad, mein Schwiegervater wollte verkaufen, und ich dachte naiv, das sei dieselbe Übung wie sonst auch, nur mit mehr Zimmern und am Ende ein bisschen Lightroom. Der Irrglaube, dass gute Alltagsfotos automatisch gute Immobilienfotos ergeben, kostet Einsteiger die meiste Zeit. Mich hat er einen ganzen Nachmittag gekostet.

Auf dem Bildschirm kippten die Wände der Küche nach hinten weg, das Bad wirkte im Gelbstich der Halogenspots wie eine schlecht beleuchtete Eckkneipe, und der Blick durchs Fenster war eine reine weiße Fläche ohne jede Struktur. Bei einer Landschaftsaufnahme wäre das ärgerlich, aber verschmerzbar. Bei einem Immobilien-Exposé ist genau das der Punkt, an dem Kaufinteressenten weiterklicken, ohne die Anzeige zu Ende zu lesen. Rohdateien direkt aus der Kamera sehen ohnehin fast immer flach aus – das weiß jeder, der von Smartphone auf Lightroom umgestiegen ist –, aber bei Innenräumen wird aus 'flach' innerhalb von Sekunden 'unverkäuflich'.

Meine bisherigen Lightroom Online Kurse im Test hatten mich für Farben, Kontraste und Weißabgleich fit gemacht. Innenräume folgen trotzdem einer komplett anderen Logik als eine Wanderung am Titisee-Ufer gegenüber dem Bootsverleih, wo ich sonst mit der Kamera unterwegs bin. Dort darf ein Bild Stimmung transportieren. Im Wohnzimmer meines Schwiegervaters musste es vor allem eines: die Wahrheit über Quadratmeter und Zustand zeigen, ohne zu lügen und ohne zu untertreiben.

Lightroom Onlinekurs Test: Korrektur stürzender Linien bei einem Küchenfoto

Warum darf die Kamera nicht einfach draufhalten?

Die erste Lektion im Kurs war unspektakulär und trotzdem ein Wendepunkt: Die Kamera muss beim Fotografieren von Räumen absolut waagerecht stehen, ungefähr auf Brusthöhe, nicht von oben herab und nicht schräg aus der Hüfte. Wer das ignoriert, bekommt stürzende Linien – Wände, die sich nach oben verjüngen, als würde das Zimmer gleich einstürzen. Software kann das nachträglich korrigieren, aber nur mit Qualitätsverlust an den Rändern. Für einen Controller ist das eine vertraute Logik: Stimmt das Fundament nicht, zieht sich der Fehler durch die gesamte Bilanz.

Blende, ISO und Zeit muss man für Innenaufnahmen ohnehin im Schlaf beherrschen, sonst wird jede Belichtungsreihe zur Glückssache statt zur Methode. Genau hier hat mich die Auto-Funktion in Lightroom einmal ziemlich sauber ausgebremst: Ich habe sie bei einer frühen Aufnahme gedrückt, weil es schnell gehen sollte, und danach nicht mehr nachvollziehen können, warum das Bild plötzlich viel zu hell war. Kein Regler stand mehr dort, wo ich ihn erwartet hätte, und ich musste von vorn anfangen.

Wenn mir jemand die Tonwertkurve richtig erklärt, verstehe ich meistens sofort, warum meine Schwarzwald-Bergfotos nach dem Import so oft grau statt kräftig aussehen – bei Zimmerfotos gilt genau dasselbe Prinzip, nur mit Tapete statt Himmel.

Presets aus dem Schwarzwald funktionieren nicht im Gäste-WC

Mein erster Reflex als Hobbyist war, das Problem mit meinem bewährten Preset-Paket für Reise- und Landschaftsfotografie zu lösen – das am Titisee-Ufer gegenüber dem Bootsverleih zuverlässig gute Ergebnisse liefert. Der Look, den ich sonst für Wasser- und Uferaufnahmen nutze, verwandelte die weißen Fliesen im Gäste-WC in ein giftiges Orange, ließ die Ecken schmutzig wirken und das Fenster aussehen, als würde draußen gerade etwas explodieren. Presets aus meinem Reise- und Landschaftspaket nutze ich seitdem konsequent nur noch für genau das: Reise- und Landschaftsbilder.

Genau da liegt der Denkfehler, den viele Einsteiger machen: Immobilienfotografie ist kein künstlerischer Ausdruck, sondern technische Dokumentation mit Verkaufsabsicht. Ein Interessent will wissen, wie groß der Raum wirklich ist und ob der Boden gepflegt aussieht. Bokeh an der Duscharmatur interessiert niemanden.

Stürzende Linien, HDR-Reihen und die Weißabgleich-Pipette

Statt ein einzelnes über- oder unterbelichtetes Bild mühsam zu retten, mache ich inzwischen bei jedem Zimmer drei Belichtungen: eine für den dunklen Flur, eine für die mittleren Töne, eine für das helle Fenster. Lightroom setzt die drei fast automatisch zu einem HDR-Bild zusammen, bei dem man durchs Fenster den Garten erkennt, während im Raum selbst noch jede Parkettfuge sichtbar bleibt. Aus einer Dreiviertelstunde Frickelarbeit pro Zimmer wurden auf diese Weise etwa fünfzehn Minuten – bei zehn relevanten Ansichten in einem Haus ein Zeitgewinn, der sich rechnet, ganz ohne Excel-Tabelle.

Für den Weißabgleich nehme ich die Pipette auf einer weißen Fliese oder einem Türrahmen, statt dem Mischlicht aus Tageslicht und Deckenlampe irgendetwas zu glauben. Fenster maskiere ich separat, damit die Außenbereiche nicht ausbrennen. Welcher Regler dabei im Detail was verschiebt, ist ein eigenes Thema, das eine einzelne Lektion über Immobilien gar nicht abdecken kann und auch nicht muss.

Sony Alpha 6400 auf Stativ für die waagerechte Ausrichtung bei Immobilienfotos im Innenraum

Was hat der Onlinekurs im Test wirklich gebracht – und was nicht?

Der Unterschied zwischen unsystematischem Herumprobieren und einem strukturierten Kurs war bei diesem Thema besonders deutlich spürbar, deutlicher als bei Landschaft oder Familienfotos. Ohne die feste Reihenfolge aus 18 Lektionen hätte ich mir das Vorgehen vermutlich mühsam selbst zusammensuchen müssen. Deutschsprachig war der Kurs außerdem Pflicht für mich: Bei Fachbegriffen auf Englisch fehlt mir schlicht das Vokabular, und beim Lernen will ich nicht zusätzlich noch übersetzen.

Nicht jedes Modul hat sich gelohnt. Das Modul zur Objektretusche etwa – störende Kabel oder einen Mülleimer digital verschwinden lassen – war in der Praxis eine Enttäuschung. Fast zwei Stunden habe ich an einem losen Antennenkabel entlang der Fußleiste herumretuschiert, und am Ende sah die Stelle aus wie ein verschmierter Ölfleck. Meine Konsequenz für jeden, der selbst fotografiert: Räum das Haus vorher auf. Jede Minute, die du vorher ins Wegräumen von Kleinkram investierst, sparst du dir zehnfach in der Nachbearbeitung.

Ob sich ein Kurs wie dieser überhaupt lohnt, ist am Ende reine ROI-Rechnung: Zeit gegen Ergebnis, nicht Euro gegen Gefühl. Bei mir kippte die Rechnung, als die Maklerin am Telefon von sich aus fragte, ob ich die Bilder professionell machen lassen habe, weil die Belichtung so ausgewogen wirkte. Genau ab diesem Punkt hatten sich Kurs und Lernzeit für mich amortisiert.

Farbtreue war ein zweiter Stolperstein. Ich hatte die Sättigung anfangs zu weit hochgedreht, weil das Haus 'strahlen' sollte. Mein Schwiegervater bremste mich trocken: Der Teppich im Schlafzimmer sei in echt nicht annähernd so blau. Ich habe die Bearbeitung danach um rund ein Fünftel zurückgenommen – ein Benchmark-Check, den ich seitdem bei jedem Zimmer im Kopf mitlaufen lasse.

Ein zweiter Irrglaube betraf die Ausrüstung: Für enge Bäder braucht man angeblich zwingend ein neues Weitwinkelobjektiv. Ich habe kein neues Objektiv gekauft, sondern gelernt, wie man aus zwei Hochkant-Aufnahmen ein Panorama in Lightroom zusammensetzt – mit der vorhandenen Sony Alpha 6400 und dem Standardobjektiv. Wer wissen will, welche Kursinhalte für den Einstieg mit genau dieser Kamera generell sinnvoll sind, findet in Beste Lightroom Kurse für Anfänger mit Sony Alpha 6400 meine ersten Schritte dokumentiert.

Präzises Maskieren von Fenstern in der Lightroom-Bildbearbeitung für Immobilienfotografie

Die Regel, die ich Immobilienfotografie-Einsteigern mitgeben würde

Wenn du heute mein Fazit willst: Ein spezialisierter Kurs für Immobilienfotografie lohnt sich, sobald ein Objekt im sechs- oder siebenstelligen Bereich verkauft werden soll. Für ein einzelnes WG-Zimmer auf einem Kleinanzeigenportal reicht dagegen freies Youtube-Wissen völlig aus. Immobilienfotografie gehört für mich ohnehin eher ans Ende eines Lernpfads als an den Anfang – zuerst ein Grundkurs für Belichtung und Farbe, die Spezialisierung erst danach, wenn ein konkreter Anlass wie ein Hausverkauf ansteht.

Die eigentliche Regel, die ich aus diesem Projekt mitnehme: Behandle jeden Raum wie ein eigenes kleines Projekt mit eigener Belichtungsreihe und eigenem Weißabgleich, nicht wie ein Familienfoto, dem am Ende nur ein Filter übergestülpt wird. Wer diesen einen Punkt verinnerlicht, spart sich die Hälfte der Nachbearbeitungszeit und erspart sich enttäuschte Gesichter bei der ersten Besichtigung. Grundlagen für alle, die noch ganz am Anfang stehen, habe ich in Immobilien fotografieren für Privatverkauf: Tipps für Lightroom Anfänger gesammelt.

Immobilien-Exposé als Ergebnis des Lightroom Onlinekurs Tests für Einsteiger

Das Haus meines Schwiegervaters ist inzwischen verkauft, und die Bilder im Exposé waren bis zum Schluss ein Gesprächsthema bei den Besichtigungen. Ein Nachbar aus der Parallelstraße, Wulf Mertens, hat die Fotos zufällig gesehen und mich gefragt, ob ich sein Reihenhaus vor dem Termin mit dem Makler auch einmal ablichten könnte. Er hatte an die Bildqualität keinerlei Erwartung und war entsprechend leicht zu beeindrucken – aber das ist eine andere Geschichte.

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