
Der Wind zerrt an der Gegenlichtblende, während ich am Gipfelkreuz auf dem Feldberg die dritte Belichtungsreihe für den Sonnenaufgang schieße, und im Sucher der Sony Alpha 6400 sehe ich schon, dass die Datei später flach wirken wird. Zwischen dem, was der Sensor aufzeichnet, und einem Bild, das am Ende überzeugt, liegt eine Lücke, die kaum ein Neu-Einsteiger einplant. Seit zwei Jahren führe ich deshalb einen Erfahrungsbericht über Lightroom-Onlinekurse wie eine Kostenstelle — mit Fortschrittsscore, Stundenaufwand und einer klaren Antwort, welcher Kurs sich für einen Schwarzwald-Hobbyfotografen wirklich gelohnt hat.
Bevor es an die Zahlen geht: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links. Kaufst du über einen dieser Links einen Kurs oder ein Preset-Paket, bekomme ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Getestet habe ich nur, was ich selbst bezahlt und über mehrere Wochen im echten Workflow benutzt habe — alles andere würde meiner eigenen Controlling-Logik widersprechen.
Der Rahmen für diesen Lightroom-Onlinekurs-Vergleich: zwölf Wochen, vier Kurse
Mein Kollege Reiner Spatz fragt mich ungefähr alle paar Wochen, welchen Kurs er sich holen soll — und findet dann doch nie die Zeit, ihn wirklich durchzuarbeiten. Diese Frage steht am Anfang dieses Vergleichs: Zwölf Wochen lang habe ich parallel vier Produkte durch meinen Feierabend geschleust, von einem Komplettkurs bis zu einem fertigen Preset-Paket, jedes in einer eigenen Zeile meiner Tabelle.
Vorher lief es anders. Von den YouTube-Tutorials, die ich mir nach Feierabend ohne System oder Reihenfolge zusammengestückelt hatte, blieb vor allem eins hängen: Ich konnte Regler bewegen, aber nicht erklären, warum. Ob strukturiertes Lernen mit festem Kursaufbau oder das freie Zusammensuchen einzelner YouTube-Videos am Ende schneller zum Ziel führt, ist übrigens nochmal ein eigenes Thema, das ich an anderer Stelle im Detail durchgerechnet habe.
Wer die komplette Tabelle sehen will — alle Kurse, alle Wochen, alle Fortschrittswerte — findet die Langversion in meinem Lightroom Online Kurse im Test. Hier geht es um die verdichtete Fassung: vier Produkte, ein Fazit pro Frage, die mir Leser und Kollegen wirklich stellen.
Welcher Kurs lohnt sich für Berufstätige mit wenig Zeit?
Der allererste deutsche Kurs, den ich mir überhaupt geholt habe, noch bevor ich auf den heutigen Favoriten gestoßen bin, habe ich nach der Hälfte der Module liegen lassen. Zu viel Theorie am Stück, zu wenig, was sich in einer Zugfahrt oder Mittagspause unterbringen ließ — die Motivation kippte irgendwann, und die Kurs-App verschwand von meinem Homescreen.
Genau umgekehrt lief es beim Adobe Lightroom Classic Komplettkurs, der inzwischen mein Benchmark ist. Über 40 Lektionen, in Häppchen von zwei bis sieben Minuten geschnitten, passen in eine Zugfahrt oder eine Pause im Büro, ohne dass ich einen 90-Minuten-Block freischaufeln muss. Was ein einzelner Regler im Entwicklungsmodul eigentlich bewirkt, ist nochmal ein eigenes Kapitel für sich — hier zählt vor allem, dass ich weiß, in welchem Menü ich überhaupt suchen muss, und genau das hatte mir beim ersten Anlauf gefehlt.
Adobe Lightroom selbst bringt ja schon einen gewissen Funktionsumfang mit, aber ohne Anleitung hätte ich Wochen gebraucht, um zu verstehen, dass der Himmelsaustausch heute unter der Maskierungs-Funktion versteckt liegt und nicht mehr dort, wo ich ihn aus alten Tutorials in Erinnerung hatte. Für alle, die dieselbe Kamera wie ich benutzen, habe ich zusätzlich einen Vergleich der besten Kurse für Sony Alpha 6400 Einsteiger geschrieben, weil sich manche Kursinhalte je nach Kamerasystem unterschiedlich gut eignen.
Was ein Kurs am Ende wirklich wert ist, hängt stark davon ab, wie du Lektionszahl und eigenen Zeitaufwand gegeneinander rechnest — dazu gibt es eine eigene Rechnung, die ich bewusst aus diesem Artikel herausgehalten habe. Blende, ISO und Zeit vor der Aufnahme sind ohnehin ein anderes Kapitel als das, was später am Bildschirm passiert, und gehören eher in ein Glossar als in einen Kursvergleich.

Offline im Schwarzwald: Lightroom Classic statt Cloud-Zwang
Viele neuere Tutorials gehen wie selbstverständlich davon aus, dass du ständig online bist und mit der Lightroom-Cloud synchronisierst. Am Feldberg oder im Zug zwischen Freiburg und dem Titisee ist das Netz aber oft genau dann weg, wenn ich Zeit zum Editieren hätte. Der Komplettkurs setzt konsequent auf die ordnerbasierte Arbeit von Lightroom Classic, und meine Dateien liegen lokal auf der externen Festplatte, unabhängig davon, wie schlecht das Netz gerade ist.
Besonders hilfreich waren dabei die mitgelieferten Übungsdateien im Rohdatenformat (RAW) — gleicher Ausgangspunkt wie beim Kursleiter, sodass ich meine eigenen Entscheidungen bei Belichtung und Weissabgleich direkt mit der Musterlösung vergleichen konnte, statt nur zuzuschauen.
Was, wenn Familienfotos plötzlich zum Kundenauftrag werden?
Mein Schwiegervater wollte sein Haus verkaufen und fragte, ob ich das mit der Kamera hinbekomme. Landschaft ist aber nicht Architektur, und ein Flur mit Gegenlicht aus drei Fenstern verzeiht keine improvisierte Belichtung. Für diesen Fall habe ich mir den Immobilienfotografie Online-Kurs geholt, acht Module in klarer Reihenfolge von Equipment bis Grundriss, und war nach etwa der Hälfte der Module einsatzfähig genug für den ersten Termin vor Ort.
Beim ersten Satz Bilder, die ich meinem Schwiegervater zum Weiterreichen an den Makler geschickt habe, lief trotzdem etwas schief: Auf meinem MacBook sahen die Flur-Aufnahmen neutral aus, auf dem Bildschirm des Maklers hatten sie einen deutlichen Gelbstich. Mein Laptop-Display ist nicht farbkalibriert, und ohne diesen Zwischenschritt vertraut man dem eigenen Bildschirm mehr, als man sollte. Seitdem exportiere ich Immobilienbilder nie mehr, ohne sie vorher auf einem zweiten Gerät gegenzuprüfen — eine Lektion, die mich einen zweiten Exportlauf und ein unangenehmes Telefonat gekostet hat.

100 fertige Presets im Alltagstest
Um die Bearbeitung nach ein paar Immobilien- und Landschaftsserien zu beschleunigen, habe ich mir das Paket mit 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen geholt, 100 Looks verteilt auf 13 Kategorien. Mehr zu den einzelnen Kategorien und wie sie sich im Alltag schlagen, steht in meinem separaten Lightroom Presets für Reise und Landschaft im Test — dort gehe ich auch auf den kompletten Workflow rund um die Preset-Anwendung ein, den ich hier bewusst nicht wiederhole.
Sobald ein ganzer RAW-Stapel vom Feldberg-Wochenende importiert wird, hört man dem MacBook regelrecht an, dass es zu tun bekommt. Das Lüftergeräusch wird deutlich lauter, sobald die Dateien ins Entwicklungsmodul wandern und die Vorschauen aufgebaut werden. Auf dem Birkenholztisch, der bei mir gleichzeitig Schreibtisch ist, liegt links davon die externe Festplatte mit dem kompletten RAW-Archiv der Sony, während auf der zweiten Bildschirmhälfte meistens noch eine Kursplattform oder ein Tutorial offen ist.
Bei Nebelstimmungen am Feldberg oder den Apfelblüten im Kaiserstuhl treffen die „Moody"-Looks aus dem Paket erstaunlich oft ins Schwarze und bringen Belichtungskorrektur und Dunst-Reduzierung schon nah an das, was ich manuell eingestellt hätte. Bei Familienfotos versagt genau derselbe Look dagegen zuverlässig: Auf einem Bild von meinem Sohn auf dem Laufrad haben die Landschafts-Presets die Hauttöne ins Orange-Magenta gezogen, kaum wiederzuerkennen als derselbe Junge. Gelernt habe ich daraus, dass ein Preset-Paket, das für Landschaft entwickelt wurde, bei Portraits grundsätzlich eine manuelle Tonwertkorrektur braucht, kein Ein-Klick-Ergebnis, aber pro Bild spart es mir trotzdem ein paar Minuten Grundabstimmung.
Ein Sonnenuntergang auf dem Feldberg hat mir das später ziemlich deutlich vor Augen geführt: Die Wolken auf dem Bildschirm leuchteten endlich genauso orange wie in meiner Erinnerung an den Abend selbst, kein Zufallstreffer mehr, sondern eine bewusste Entscheidung bei Weissabgleich und Klarheit.
Photoshop bleibt vorerst nur eine Option
Als möglichen Plan B für die Zukunft habe ich mir außerdem die Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop notiert, für den Fall, dass ich das laufende Lightroom-Abo irgendwann kündigen will. Der Kurs ist schon seit 2016 auf der Plattform verfügbar, was für einen gewissen Bestand spricht, den viele neuere Foto-Kurse noch nicht vorweisen können.
Eine englischsprachige Alternative namens PhotoKit hatte ich davor schon einen Monat lang angetestet und dann wieder verworfen — nicht wegen der Funktionen, sondern weil ich mich nach einem langen Bürotag nicht auch noch durch ein komplett englisches Interface klicken wollte. Ob ein deutschsprachiger Kurs gegenüber englischen Tutorials spürbar einen Unterschied macht, ist nochmal eine eigene Abwägung, die von Englischkenntnissen und Tagesform abhängt.
Und wenn du ohne tiefe PC-Kenntnisse starten willst?
Genau diese Frage hat mir eine Leserin namens Adelheid Ströhle über das Kontaktformular gestellt, nachdem sie meinen ersten Kursvergleich gefunden hatte: Welcher Kurs ist auch ohne vertiefte PC-Kenntnisse machbar? Meine Antwort ist unverändert der Adobe Lightroom Classic Komplettkurs — die kurzen Video-Häppchen erklären jeden Klick einzeln, sodass du nicht zwischen drei Programmen und einer Bedienungsanleitung hin- und herspringen musst.
Ob du danach mit einem breiten Grundkurs weitermachst oder direkt in eine Spezialisierung wie Immobilien oder Landschaft einsteigst, ist wieder eine andere Rechnung, die von deinem eigentlichen Ziel abhängt. Meine Faustregel nach zwölf Wochen und vier Kursen: Erst das System lernen, dann die Regler verstehen, und Presets erst dazuholen, wenn der manuelle Workflow schon sitzt — sonst kaschierst du nur, was du eigentlich noch üben müsstest.