FotoKompass

Lightroom Presets für Reise und Landschaft im Test: Schneller zum Urlaubsfoto

Lightroom-Presets für Landschaftsfotografie im Test: Feldberg-Foto vor und nach der Bearbeitung

400 RAW-Dateien lagen auf der Festplatte, nachdem ich vom Feldberg zurück war – jede einzelne davon platt und grau, direkt aus der Sony Alpha 6400 exportiert. Für Lightroom-Presets in der Landschaftsfotografie hatte ich bis dahin nur ein loses Gefühl: nice to have, kein Muss. Mein Controller-Kopf hat trotzdem sofort gerechnet. Bei 15 Minuten manueller Tonwertkorrektur und Weißabgleich pro Bild wären das über 100 Stunden für einen einzigen Ausflug. Das ist kein Hobby mehr, das ist eine unbezahlte Überstunde ohne Freizeitausgleich.

Kurzer Transparenz-Hinweis, bevor es weitergeht: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon einen Kurs oder ein Preset-Paket, bekomme ich eine Provision – ohne Mehrkosten für dich. Empfohlen wird hier nur Material, das ich selbst bezahlt und mindestens vier Wochen im eigenen Workflow getestet habe. Genauso transparent wie bei einem Quartalsabschluss.

Die Sony Alpha 6400 zeigte mir zunächst nur flache, graue Bilder

Als meine Frau mir im November 2024 die gebrauchte Sony Alpha 6400 schenkte, dachte ich, die Bilder würden von allein glänzen. Auf dem MacBook war die Realität ernüchternd: Die 24,2 Megapixel wirkten neben den nachbearbeiteten iPhone-Fotos flach und grau. Der Grund dafür steht unter Warum Kamera-Bilder flach aussehen im Detail; im Kern liegt es am unbearbeiteten RAW-Format, das erst entwickelt werden will. Nur: Wer hat nach Feierabend Zeit für die komplette Handarbeit an jedem einzelnen Bild?

Nachdem ich mich durch etliche Youtube-Tutorials und den ersten Adobe Lightroom Classic Komplettkurs gearbeitet hatte, stand die Theorie einigermaßen. Der Durchsatz fehlte trotzdem. Ich wollte den Look meiner Schwarzwald-Bilder vereinheitlichen, ohne bei jedem Foto das Rad neu zu erfinden – deshalb habe ich mir im Februar das Paket mit den 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen für 70 Euro gegönnt.

Kurse und Presets: Wann lohnt sich ein Kurs

Ob sich ein Kurs überhaupt lohnt, ist eine andere Rechnung für sich – Lektionenpreis gegen Wochen bis zur Grundfertigkeit, das würde hier zu weit führen. Ob man erst einen Grundkurs braucht oder gleich in eine Spezialisierung einsteigt, spare ich mir an dieser Stelle genauso wie die Frage, ob Blende, ISO und Zeit als Belichtungsgrundlagen zuerst sitzen müssen, bevor Presets überhaupt Sinn ergeben. Auch ob man sich Lightroom eher strukturiert über einen Kurs oder häppchenweise über YouTube beibringt, ist ein eigenes Thema für sich. Was für diesen Test zählt: Die Regler-Logik hinter Tonwerten, Klarheit und Dunst-Entfernung sitzt inzwischen, und erst dann werden Presets zu einem echten Beschleuniger statt zu einer Blackbox. Antworten vom Kursleiter bei Rückfragen dauern bei mir übrigens zwischen einem und drei Tagen, eine Telegram- oder Facebook-Gruppe zum Kurs gibt es nicht.

Lightroom oder Capture One: Meine Wahl

Beim Fotostammtisch in Freiburg treffe ich regelmäßig Hansjörg Riedl, der seit Jahren mit einer Fujifilm X-T4 unterwegs ist und ausschließlich in Capture One bearbeitet. Er hat deutlich mehr technisches Sensorwissen als ich und teilt es auch ungefragt, zuletzt einen langen Exkurs darüber, warum sein Farbmanagement anders tickt als meins. Für mich als Lightroom-Nutzer bleibt das trotzdem Theorie, denn Presets wie meine laufen nur im Adobe-Ökosystem.

Bevor ich überhaupt bei Presets gelandet bin, habe ich es erst mit einem Buch über Bildgestaltung versucht. Kein einziges Lightroom-Fenster darin, nur Kompositionsregeln und Lichtführung in der Theorie. Genützt hat es meiner praktischen RAW-Bearbeitung am Wohnzimmertisch: nichts. Gebraucht hätte ich keine Bildgestaltungsregeln, sondern jemanden oder etwas, das mir zeigt, wie ich am Regler drehe.

Der Formatfehler, der mich zwei Stunden gekostet hat

Ein klassischer Anfängerfehler hat mich zwei Stunden gekostet. Ich hatte in einem alten Forenthread über Presets gelesen und wollte alte .lrtemplate-Dateien einspielen. Erst nach einer längeren Google-Suche wurde mir klar: Seit Lightroom Classic Version 7.3 – das war schon 2018 – arbeitet Adobe nur noch mit dem .xmp-Format. Das gekaufte Paket liefert zum Glück direkt die aktuellen Dateien. Wer noch eine uralte Standalone-Version nutzt, schaut in die Röhre.

Systematisch ist das Paket in 13 Kategorien sortiert, was meinem Controller-Ordnungssinn entgegenkommt. Die Kategorien Moody (10 Looks), Golden Beaches (10 Looks) und Cinematic (5 Looks) nutze ich am häufigsten, der Rest liegt eher als Reserve im Archiv. Lade ich ein Nebelfoto vom Feldberg-Gipfel hoch, während im Innenhof gedämpft ein Motor ansprang und jemand seinen Nachbarn begrüßte, wird aus dem grauen Ausgangsmaterial mit einem Klick eine Szene, die nach mehr aussieht als nach einem Handyfoto. Genau an diesem Punkt hat sich die Anschaffung für mich amortisiert.

Workflow-Optimierung: MacBook und iPhone im gleichen Look

Praktisch für unterwegs: Das Paket liefert zwei Dateiformate, .xmp für die Arbeit am Rechner und .dng für Lightroom Mobile. Auf dem Rücksitz, wenn meine Frau fährt, sichte ich die ersten Bilder schon auf dem iPhone und lege denselben Look drüber, den ich später am Rechner verfeinere. Doppelarbeit fällt weg, im Archiv sieht am Ende alles nach demselben Standard aus.

Für den Adobe Photography Plan zahle ich 14,62 Euro im Monat. Rechne ich die 70 Euro fürs Preset-Paket dagegen und gehe von 20 bis 25 Schwarzwald-Touren im Jahr aus, komme ich im ersten Jahr auf ungefähr einen Euro pro tatsächlicher Anwendung. Ein Forecast, mit dem ich als Controller gut leben kann.

Die Originaldatei bei Preset-Anwendung: Nicht-destruktive Bearbeitung

Was viele am Anfang nicht wissen: Presets und sämtliche Schieber-Einstellungen in Lightroom sind nicht-destruktiv. Die Originaldatei auf der Festplatte bleibt unverändert, ganz gleich wie oft ich ein Preset drüberlege oder wieder zurücksetze. Jeder Bearbeitungsschritt landet ausschließlich im Lightroom-Katalog, nicht im RAW selbst. Das nimmt mir als Controller den Angstschweiß vor jedem Experiment – im schlimmsten Fall setze ich den Regler auf null und stehe wieder am Ausgangspunkt.

Der Haken an der Sache: Die Grenzen von Presets

Presets sind kein Freifahrtschein. Mein Test über mehrere Wochen zeigt: Vorgefertigte Looks sparen sofort Zeit, verlangen bei schwierigem Licht aber oft mehr manuelle Nacharbeit als eine solide Basiseinstellung von Grund auf. Fotografiere ich im dichten Wald bei wechselhaftem Licht, zieht der Moody-Look die Schatten manchmal so weit runter, dass ich manuell gegensteuern muss. Wer blind durchklickt, verliert Zeichnung in den dunklen Bereichen. Ein Preset ist ein Startpunkt, kein fertiges Ergebnis.

Bei Familienportraits versagt genau dieser Moody-Look regelmäßig – zu viel Kontrast, zu wenig Hautwärme, das Gegenteil von dem, was ein Kinderfoto braucht. Für die Masse an Familienbildern, etwa vom Sohn auf dem Laufrad im Herbstlaub, greife ich deshalb auf andere Kategorien zurück und korrigiere nur noch die Belichtung nach. Früher habe ich für 20 Bilder einen ganzen Abend gebraucht, jetzt jage ich sie durch einen passenden Look und bin in einem Bruchteil der Zeit fertig.

Roswin Buß aus dem DSLR-Forum.de hatte übrigens eine ganz andere Anwendung im Kopf, als er sich bei mir meldete: Batch-Verarbeitung für hunderte Motorsport-Fotos nach einem Renntag. Das liegt außerhalb dessen, was ich hier eigentlich teste, aber sein Feedback hat mir gezeigt, wie unterschiedlich die Anforderungen an dieselbe Preset-Logik je nach Motiv sein können.

Fünf Wochen später am Feldberg

Fünf Wochen nach dem Kauf saß ich wieder oben auf dem Feldberg, diesmal zum Sonnenuntergang. Die Wolken standen orange am Himmel, fast genauso wie ich sie in Erinnerung hatte, bevor ich überhaupt eine Kamera besaß. Mit dem Golden-Preset als Ausgangspunkt und ein paar manuellen Korrektionen an Lichtern und Dunst kam das Bild diesem Eindruck näher als alles, was ich vorher fotografiert hatte. Kein Automatismus, aber ein guter Startpunkt – und genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einem Preset-Paket und einer Wunderwaffe.

Systematischer Vergleich: Kurs, Presets und Spezialfall

Hier ist meine aktuelle Aufstellung, was sich für welchen Zweck gelohnt hat:

Produkt Zweck Mein Fazit
Lightroom Komplettkurs Fundament Unverzichtbar, um zu verstehen, was man da eigentlich tut.
100 Landschafts-Presets Speed Mein täglicher Workflow-Beschleuniger für Schwarzwald & Reise.
Immobilienfotografie Kurs Spezialfall Hat mir beim Hausverkauf des Schwiegervaters massiv geholfen.

Wer selbst noch ganz am Anfang steht, dem empfehle ich zuerst einen Lightroom Kurs auf Deutsch, um die Regler-Logik zu verstehen, bevor überhaupt Geld für Presets ausgegeben wird – sonst kauft man sich eine Blackbox statt einer Abkürzung. Steht die Basis, ist das Landschafts-Presets-Paket für mich eine der wenigen Anschaffungen, die die geschätzten 100 Stunden Bildbearbeitung pro Urlaub tatsächlich spürbar reduziert.

Das Familienalbum ist für mich am Ende die eigentliche Messlatte, dazu die Zeit, die nicht vor dem Bildschirm verloren geht. Die Lehre aus fünf Wochen Praxis: Ein Preset ersetzt kein Verständnis der Regler, aber es multipliziert das Verständnis, das schon da ist, um ein Vielfaches schneller aufs nächste Foto.

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