
Eine Kursbewertung von 9,2 von 10 Punkten sagt nichts darüber aus, ob dir ein Kurs bei neblig-grauen Aufnahmen aus der Wutachschlucht zwischen Schattenmühle und Wutachmühle weiterhilft. Genau danach kaufen aber viele Hobbyfotografen: höchste Bewertung, meiste Lektionen, fertig gekauft. Ich vergleiche seit einiger Zeit Lightroom-Kurse für Landschaftsfotografie und habe mir daraus einen Bildbearbeitung-Workflow zusammengestellt, der bei meinen Schwarzwald-Serien tatsächlich funktioniert. Der größte Irrtum dabei war die Annahme, es gäbe den einen Kurs, der für jeden am besten ist, sobald man Lightroom lernen will.
Kurzer Zwischenstopp für Transparenz, bevor es weitergeht: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Kaufst du über einen dieser Links einen Kurs oder ein Preset-Paket, bekomme ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Drei der vier Produkte im Vergleich unten habe ich selbst über mehrere Wochen durchgearbeitet, eines nicht — das benenne ich weiter unten offen, statt es zu verschweigen.
Ein Lightroom-Kurs mit Bestnote ist nicht automatisch der richtige für dich
Der Denkfehler beginnt meistens beim Ranking. Sortierst du Kurse nach Sternen oder nach Lektionsanzahl, landest du fast automatisch beim größten Komplettpaket. Wer Lightroom mit System lernen will, merkt aber schnell: Eine hohe Bewertung sagt nichts darüber, ob ein Kurs dein tatsächliches Problem trifft — flache RAW-Dateien, zu wenig Zeit am Wochenende, oder eine ganz andere Baustelle.
Bei mir war das größte Komplettpaket der Adobe Lightroom Classic Komplettkurs, über 40 Videolektionen in Häppchen von wenigen Minuten, vom Import-Management bis zur selektiven Korrektur. Für den Einstieg eine solide Basis, keine Frage. Nur beantwortet die Lektionsanzahl allein nicht, ob Landschaft darin wirklich behandelt wird oder nur als Nebenrolle vorkommt.

Bevor ich überhaupt einen Kurs gekauft habe, habe ich es erst mit einem Buch über Bildgestaltung versucht, in der Annahme, das sei der solidere Unterbau. Kein einziges Lightroom-Fenster kam darin vor, und am Ende konnte ich zwar den Begriff Bildaufbau erklären, wusste aber immer noch nicht, welchen Regler ich bei meinen grauen Wutachschlucht-Aufnahmen zuerst anfassen sollte. Hansjörg Riedl vom Fotostammtisch hat mir das später ungefragt vorgerechnet: Er fotografiert mit einer Fujifilm und bearbeitet ausschließlich in Capture One, und seine technischen Erklärungen zum Sensor waren zwar interessant, halfen mir beim eigenen Lightroom-Problem aber keinen Schritt weiter. Software-Wissen und Bildgestaltungstheorie sind zwei verschiedene Baustellen, und ein Kurs mit Bestnote bringt dir nichts, wenn er die falsche davon bedient.
Das braucht Landschaftsfotografie, was ein Basiskurs nicht liefert
Nebel schluckt Kontraste. Das ist im Schwarzwald an vielen Herbstmorgen keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Deshalb war für mich das Modul zum Dunst entfernen und den Gradationskurven im Komplettkurs praktisch relevanter als die allgemeinen Kapitel zum Farbmanagement. Wer prüft, ob ein Kurs für Landschaftsfotografie taugt, sollte weniger auf die Gesamtzahl der Lektionen schauen und mehr darauf, ob Landschaft überhaupt als eigenes Thema vorkommt — bei vielen Komplettkursen ist das nur ein Unterpunkt von vielen.
Vor kurzem hat sich Roswin Buß aus dem DSLR-Forum bei mir gemeldet, nachdem er meinen Kursvergleich in einem Thread verlinkt hatte. Er fotografiert Motorsport und fragte nach einem Kurs für schnelle Stapelverarbeitung nach einem Renntag, ein Bedarf, der mit Nebel und Tonwerten im Schwarzwald so gut wie nichts zu tun hat. Genau daran hängt der eigentliche Denkfehler: Es gibt nicht den einen besten Kurs, sondern nur den Kurs, der zur eigenen Ausgangslage passt. Wo genau du auf dem Weg vom ersten RAW-Import bis zum eigenen Stil stehst, verändert die Antwort mehr als jede Sternebewertung, und welche Kriterien dabei überhaupt zählen sollten, ist nochmal ein eigenes Thema für sich.
Presets, Spezialkurse und unterschiedliche Ausgangslagen
Als mein Schwiegervater sein Haus verkaufen wollte, hat sich gezeigt, wie unterschiedlich diese Ausgangslagen sein können. Landschaftsfotografie und Immobilienfotografie sind in meiner gedanklichen Kostenstellen-Logik zwei getrennte Budgets, auch wenn beides über Lightroom läuft. Ich habe mir dafür den Immobilienfotografie Online-Kurs geholt, acht Module von Equipment bis Grundriss, dazu drei Checklisten zum Download, die ich als PDF am iPad offen hatte statt alles im Kopf zu jonglieren. Kein Landschaftskurs im klassischen Sinn, aber die Belichtungskorrektur in schwierigen Innenraum-Lichtsituationen hat auch mein Verständnis für kontrastarme Waldaufnahmen geschärft. Wer vor der Frage steht, ob er einen Lightroom Kurs als Einmalzahlung oder Abo abschließen soll, findet hier übrigens ein reines Einmal-Modell.

Presets sind der andere Fall, bei dem Kurskäufer gern in die falsche Richtung denken. Manche halten sie für Zauberei, andere für überflüssigen Schnickschnack, beides trifft es nicht. Ich habe mir das Paket mit 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen zugelegt, 100 Looks in 13 Kategorien, wobei bei mir vor allem Moody mit zehn Looks, Golden Beaches mit zehn und Cinematic mit fünf regelmäßig zum Einsatz kommen, der Rest liegt als Archivware ungenutzt herum. Es gibt keine Anwendungs-Tutorials zum Paket, nur eine Installationsanleitung, und welcher Moody-Look zu welcher Lichtstimmung passt, ist in den ersten vier Wochen nach dem Kauf eher Trial-and-Error als Anleitung.
Bei einem Herbstbild vom Titisee hat einer dieser Looks auf Anhieb funktioniert, der Grünton der Tannen saß praktisch ohne Nachkorrektur. Bei einem Familienporträt am selben Nachmittag hat derselbe Preset das Bild dagegen komplett überzogen wirken lassen. Genau das ist der Punkt: Presets ersetzen kein Verständnis, sie beschleunigen nur, was du sowieso schon kannst. Wie du sie in einen wiederholbaren Workflow einbaust und warum die einzelnen Regler in der Entwicklung-Registerkarte überhaupt so reagieren, wie sie reagieren, ist nochmal ein eigenes Kapitel für sich. Falls dich interessiert, wann Presets Sinn ergeben und wann sie ein Bild eher ruinieren: Genau das drösele ich in meinem Vergleich Lightroom Presets vs manuelle Bearbeitung weiter auf.
Den Kurs am eigenen Bedarf ausrichten, nicht an der Bewertung
Ein paar Anschlussfragen tauchen dabei immer wieder auf, auch wenn sie hier nicht das Hauptthema sind. Ob sich ein Kurs finanziell überhaupt lohnt, ist eine eigene ROI-Rechnung. Die Lücke zwischen dem, was deine Kamera als RAW-Datei liefert, und dem, was du am Ende siehst, ist ein eigenes Kapitel, genauso wie die Frage, ob du eher strukturiert oder eher zusammengesucht am besten lernst. Ob Blende, ISO und Belichtungszeit für dich noch Fremdwörter sind, entscheidet, wo du überhaupt einsteigen solltest. Und ob ein deutschsprachiger Kurs für dich Pflicht ist oder ein englisches Tutorial genauso funktioniert, hängt einzig von deinem Fach-Englisch ab, bei mir nach Feierabend eher nicht.
Am Ende zählt für die Kursauswahl weniger die Punktzahl in einer Tabelle als drei einfache Fragen. Welches Problem hast du gerade: flache RAW-Dateien, eine Immobilienanfrage vom Schwiegervater, oder schlicht zu wenig Zeit für 200 Bilder von einem Wochenende? Wie viel Feierabendzeit steht dir realistisch pro Woche zur Verfügung, und passt das Preismodell, Einmalzahlung oder Abo, überhaupt zu deiner Nutzung? Und deckt der Kurs Landschaftsfotografie konkret ab, oder nur nebenbei als einer von vielen Kapiteln?
Die Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop aus der Tabelle unten habe ich bewusst nicht selbst durchgearbeitet. Sie setzt auf Photoshop statt Lightroom und ist für mich eher ein Plan B, falls ich das Lightroom-Abo irgendwann kündige, deshalb gehört sie in die Übersicht, aber nicht in meine Empfehlung an der Spitze. Für den Einstieg und für Landschaftsfotografie im Speziellen bleibt der Komplettkurs von Adobe mein Ausgangspunkt, und wer wie mein Schwiegervater eine konkrete Zusatzaufgabe hat, ergänzt gezielt mit dem Spezialkurs oder dem Preset-Paket, statt gleich alles auf einmal zu kaufen.
| Produkt | Bewertung | |
|---|---|---|
| Adobe Lightroom Classic Komplettkurs Top Pick | 9.2 | Mehr erfahren → |
| Der allumfassende Immobilienfotografie Online-Kurs | 8.7 | Mehr erfahren → |
| 100 Lightroom-Presets für Reise- und Landschaftsfotografen | 8.4 | Mehr erfahren → |
| Bildbearbeitung Landschaftsfotografie mit Adobe Photoshop | 7.9 | Mehr erfahren → |
Adobe Lightroom Classic Komplettkurs
Vorteile
- ✓ Über 40 praxisnahe Videolektionen
- ✓ Beispielfotos zum direkten Mitmachen enthalten
- ✓ Strukturierter Lernpfad spart Zeit beim Üben
- ✓ Einmalzahlung statt monatlichem Kurs-Abo
Nachteile
- − Keine Live-Community für schnellen Austausch
- − Antwortzeiten des Supports variieren