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Lightroom Komplettkurs finden: Den richtigen Lernpfad für Hobbyfotografen wählen

Reicht ein einziger Lightroom-Komplettkurs, um als Hobbyfotograf wirklich anzukommen – oder lohnt sich am Ende doch der zweite, nur zum Abgleich? Eine pauschale Antwort darauf habe ich bis heute nicht, dafür aber einen Vergleich aus erster Hand: zwei komplette Kurse, zwei Spezialkurse und ein Preset-Paket, alle nebeneinander getestet und nach Struktur, Tempo und Praxisnutzen bewertet. Seit rund zwei Jahren beschäftige ich mich mit Lightroom, seit ich mit über vierzig von der Smartphone-Kamera auf eine Sony Alpha 6400 umgestiegen bin, und als Controller kann ich es einfach nicht lassen, den Lernfortschritt in Tabellen zu packen.

Mein Befund nach vier Kursen – zwei Komplettkursen, zwei Spezialkursen: Der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Kurs liegt selten am schieren Umfang der Lektionen, sondern an der Reihenfolge, in der Wissen aufgebaut wird. Genau daran ist meine anfängliche, planlos zusammengesuchte Lernphase auf eigene Faust gescheitert, und ein guter Komplettkurs nimmt dir diese Reihenfolge-Entscheidung ab – daran lässt sich am ehesten festmachen, ob sich die Anschaffung überhaupt lohnt.

Der Arbeitsplatz für das alles ist unspektakulär: ein Birkenholztisch im Wohnzimmer, auf dem das MacBook steht, weil ich nie einen richtigen Schreibtisch angeschafft habe. Daneben liegt die externe Festplatte mit dem kompletten RAW-Archiv der Sony, und weil in der Wohnung keine Jalousien hängen, fällt abends oft Licht aus dem Innenhof auf den Bildschirm, dazu gedämpfte Stimmen von Nachbarn oder ein Motor, der irgendwo unten anspringt. Die eine Bildschirmhälfte zeigt praktisch immer eine Kursplattform oder ein Tutorial-Video, während ich auf der anderen die Regler bewege.

Zwei Komplettkurse im direkten Vergleich

Beim ersten Kurs, den ich kaufte, war der Aufbau klassisch: Bibliotheksverwaltung zuerst, dann Basis-Korrektionen, kreative Looks erst ganz am Schluss. Beim zweiten, den ich mir bewusst als Gegenprobe zulegte, war die Reihenfolge fast umgekehrt: Effekte und Looks kamen früh, technische Grundlagen wurden eher nebenbei erklärt. Für mich als Controller war das ein sauberer A/B-Test: gleiches Ausgangsmaterial, meine eigenen RAW-Dateien vom Wochenende, zwei verschiedene Lehrpfade.

Den Preis pro Lektion vergleiche ich inzwischen reflexartig, so wie ich im Job Kostenstellen gegen den Forecast halte, auch wenn eine saubere Preis-Leistungs-Rechnung für Lightroom-Kurse ein eigenes Thema für sich ist. Wichtiger war für mich, wie ein Kurs die Regler erklärt: Der erste ging Schritt für Schritt vor und zeigte, warum ein Regler das Bild in welche Richtung verschiebt, was ich unter anderem in meinem Beitrag zu Lightroom-Reglern für Hobbyfotografen ohne Vorwissen aufgearbeitet habe. Der zweite Kurs setzte voraus, dass ich das schon wusste, und sprang direkt zu fertigen Looks.

Wann lohnt sich ein zweiter Kurs überhaupt?

Nicht jeder Hobbyfotograf braucht zwei komplette Kurse, so viel vorweg. Ein zweiter Kurs lohnt sich vor allem dann, wenn der erste dich an einer bestimmten Stelle spürbar hängen lässt. Bei mir war das die Belichtungssteuerung in Innenräumen, während der erste Kurs seinen Schwerpunkt klar auf Landschaft gelegt hatte. Auch Grundbegriffe wie Blende, ISO und Belichtungszeit erklärt nicht jeder Kurs gleich gründlich; wer da noch unsicher ist, sollte das vor der Kurswahl klären, nicht danach.

Einmal habe ich in einer Übung einfach auf die Automatik-Funktion gedrückt, weil mir das schneller ging als jeden Regler einzeln zu setzen. Im ersten Moment sah das Ergebnis brauchbar aus. Als ich dasselbe Bild später noch einmal öffnete, konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum es so viel heller geworden war als das Ausgangsmaterial, keine Ahnung mehr, welcher Regler sich wie weit bewegt hatte. Seitdem fasse ich die Automatik nur noch an, wenn ich wirklich in Eile bin, und korrigiere danach jeden Regler von Hand nach, um zu sehen, was sie eigentlich verändert hat.

Wie weit sich das trotzdem entwickelt hat, habe ich neulich am Kaffeeautomaten gemerkt: Ein Kollege sah auf meinem Handy zufällig ein Vorher-Nachher eines bearbeiteten Schlossberg-Fotos und fragte, mit welcher Kamera ich das aufgenommen hätte; dabei war es dieselbe Kamera wie beim ersten flauen RAW-File, nur die Bearbeitung hatte sich seitdem komplett verändert.

Meine Nachbarin Evelin fragt mich ab und zu, ob ich Fotos von ihrem Keramikstand auf dem Wochenmarkt machen könnte, und genau solche Aufnahmen sind ein guter Praxistest für einen Kurs. Auf dem Münsterplatz an einem Markttag wechseln Schatten unter den Ständen und grelles Licht dazwischen im Minutentakt, und ein Kurs, der dir dafür nur eine Standardeinstellung beibringt, hilft dir an diesem Stand nicht weiter.

Komplettkurs zuerst, Spezialisierung danach

Für die Reihenfolge zwischen breitem Grundkurs und engerer Spezialisierung gibt es kein Patentrezept, dazu habe ich in einem separaten Beitrag zur Wahl zwischen Lightroom Grundkurs und Spezialisierung mehr geschrieben. Bei mir kam die Spezialisierung eher zufällig: Nachdem ich Immobilienfotos für meinen Schwiegervater bearbeitet hatte – unter anderem ein Bild von ihm in seiner Garage, eigentlich nur ein Test für Kunstlicht –, sah mein Nachbar Wulf aus der Parallelstraße die Ergebnisse und fragte, ob ich sein Reihenhaus ablichten könnte, bevor der Makler zur Besichtigung kam.

Ohne den Landschaftskurs vorher hätte ich bei den vertikalen Linien im Flur komplett danebengelegen, ohne den Immobilien-Spezialkurs hinterher hätte ich Wulfs dunkle Treppenhäuser nicht sauber belichtet bekommen. Genau das ist der Punkt: Ein Komplettkurs gibt dir das Handwerkszeug, mit dem du überhaupt beurteilen kannst, ob sich eine Spezialisierung für dein Motiv lohnt – ohne die Basis fehlt dir der Maßstab, um Fortschritt oder Stillstand zu erkennen.

Presets: Abkürzung oder Umweg?

Presets tauchen in jedem zweiten Kurs als Bonus-Modul auf, und ob sie im Alltag wirklich Zeit sparen oder nur eine neue Baustelle öffnen, habe ich in einem eigenen Test zu Reise- und Landschafts-Presets ausführlicher durchgerechnet. Der tiefere Punkt dahinter bleibt aber derselbe wie am ersten Abend mit meiner Sony: Ein unbearbeitetes RAW-File wirkt neben einem Smartphone-Foto fast immer flacher, und kein Kurs und kein Preset kann diesen Unterschied wegzaubern, ohne dass du verstehst, woran es liegt. Getestet habe ich neben den deutschen Kursen auch eine Alternative zu Lightroom mit englischer Oberfläche, gab sie aber nach kurzer Zeit wieder auf – nicht weil die Funktionen schlechter waren, sondern weil ich beim Lernen keine Lust hatte, gleichzeitig Fachbegriffe zu übersetzen und Regler zu verstehen.

Mein Fazit: So wählst du den richtigen Lernpfad

Einen zweiten Komplettkurs würde ich nur empfehlen, wenn der erste eine klare Lücke hinterlässt, die du benennen kannst – ein Thema, ein Kapitel, eine Bildart, bei der du regelmäßig nicht weiterkommst. Reicht dir dagegen ein solider Lightroom-Kurs mit klarer Struktur, der dich von der Bibliotheksverwaltung bis zu den fortgeschrittenen Reglern führt, dann investier dein Geld lieber in einen Spezialkurs für genau das Motiv, das du am häufigsten fotografierst, statt in einen zweiten Rundumschlag. Bei mir sind das Familienausflüge und Landschaftsaufnahmen im Schwarzwald – bei dir kann es genauso gut Sport, Architektur oder eben Immobilien sein.

Die Wahl des Lernpfads bleibt im Kern eine Kostenstellen-Frage im Kleinen: Wo bekommst du für deine Zeit und dein Budget den größten Fortschritt, und wo zahlst du für Inhalte, die du eigentlich schon kannst? Zwei Komplettkurse im direkten Vergleich zu fahren war für mich kein verschwendetes Geld, sondern der schnellste Weg herauszufinden, welcher Aufbau zu meinem Kopf passt. Für die meisten Hobbyfotografen reicht vermutlich einer – vorausgesetzt, er ist gut genug strukturiert, dass die Reihenfolge stimmt, bevor die Kreativität übernimmt.

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