
Ein RAW-Foto aus der Sony Alpha 6400 wirkt direkt nach dem Import blasser als das gleiche Motiv, das man Sekunden vorher mit dem Smartphone geschossen hat – dabei steckt in der Kamera-Datei objektiv mehr Bildinformation als im fertig geschärften Handybild. Dieser Widerspruch hat mich in den ersten Wochen mit der Kamera fast wieder zurück zum Smartphone-Modus getrieben, bevor ich verstanden habe: RAW-Bearbeitung ist für jeden Einsteiger in die Bildbearbeitung kein Ausnahmefall, sondern der eigentliche Job.
Als Controller arbeite ich mit Zahlen, nicht mit Bauchgefühl, und genau deshalb hat mich die Sache anfangs geärgert: 24,2 Megapixel Auflösung, ein Sensor, der objektiv mehr Details einfängt als jedes Smartphone, und trotzdem sah das erste Bild nach dem Import aus wie durch Milchglas fotografiert. Dass Kamera-Dateien roh aus dem Sensor erst mal flacher wirken als ein fertig verarbeitetes Handyfoto, ist ein Effekt, der die meisten Umsteiger kalt erwischt; der Sensor liefert schlicht mehr Rohmaterial, das man selbst in Form bringen muss.
Der Bruch zwischen Sensor-Datei und Handy-Optik
Am Wohnzimmertisch unserer Gründerzeitwohnung in der Wiehre steht mein MacBook auf blankem Birkenholz, direkt daneben die externe Festplatte mit sämtlichen Alpha-6400-Aufnahmen. Einen eigenen Schreibtisch habe ich nie eingerichtet, und Jalousien fehlen auch, weshalb abends das Licht aus dem Innenhof ungefiltert durchs Fenster fällt, während ich am Bild sitze. Die rechte Bildschirmhälfte zeigt dabei fast immer irgendeine Kursplattform oder ein offenes YouTube-Tutorial, während ich links am RAW schraube.
Dass ein Rohdatenformat mehr wiegt als ein JPEG, aber erst mal weniger hermacht, wollte in meinen Kopf lange nicht rein. Mehr Datenmenge sollte doch auch mehr Bild bedeuten, dachte ich als Zahlenmensch. Der Grund liegt im Dynamikumfang: Ein RAW speichert deutlich mehr Helligkeitsstufen, als am Ende sichtbar sind, und genau dieses Polster muss man beim Bearbeiten erst herausholen, ohne es künstlich zu überzeichnen.

Warum hat der erste Lightroom-Komplettkurs mehr gebracht als drei Monate YouTube?
Von April bis Juni 2025 habe ich mir nach Feierabend YouTube-Tutorials zusammengesucht, kreuz und quer, ohne Reihenfolge und ohne echtes System. Funktioniert hat das nicht: Ich konnte einzelne Tricks nachmachen, aber kein Bild reproduzierbar zum gleichen Ergebnis bringen, weil mir das Fundament fehlte, auf dem diese Tricks überhaupt aufbauen.
Mein Kollege Reiner Spatz, mit dem ich ab und zu im Schwarzwald wandern gehe, fragt mich seitdem regelmäßig, welchen Kurs er sich holen soll, nur kommt er selbst nie dazu, wirklich anzufangen. Der Unterschied zwischen wahllosem Zuschauen und einem Kurs mit fester Reihenfolge ist am Ende simpler, als ich dachte: Die Abfolge der Module macht den Unterschied, nicht die Menge an Videos. Ob sich das pro Lektion überhaupt rechnet, ist nochmal eine eigene Rechnung für sich, für mich steht jedenfalls fest, dass ein strukturierter Lightroom Kurs ist für Hobbyfotografen oft der bessere Einstieg als ein weiteres kostenloses Tutorial-Video.
Presets beschleunigen den Workflow, aber nicht bei jedem Foto
Bei den Apfelblüten im Kaiserstuhl hat ein Reise-Preset auf Anhieb funktioniert, weichere Pastelltöne, genau die Stimmung, die ich wollte. Bei den Familienportraits am selben Wochenende war dasselbe Preset ein Reinfall, alle sahen aus, als kämen sie frisch aus dem Solarium. Presets systematisch zu testen, bevor man sie auf ernsthafte Aufnahmen loslässt, ist ein eigenes Thema für sich; meine eigene Faustregel ist inzwischen simpel: Landschaft und Hauttöne folgen unterschiedlichen Regeln.
Seit Februar arbeite ich mit einem Preset-Paket für Reise- und Landschaftsfotografie, aber bei Gesichtern korrigiere ich am Ende doch fast immer einzeln nach. Jedes Mal, wenn ich dabei per Klick einen lokalen Korrekturpunkt setze, macht die Maustaste dieses harte, fast mechanische Klacken, das ich inzwischen im Schlaf wiedererkenne. Wer speziell für die Sony Alpha 6400 nach passenden Kursen sucht, findet einen Überblick, welche Lightroom Kurse für die Sony Alpha 6400 die Farbwiedergabe des Sensors tatsächlich treffen.

Die Wutachschlucht als Testfeld für den neuen Workflow
Der Moment, an dem mir ein Preset zum ersten Mal wie mehr als Zufall vorkam, kam beim Nachbearbeiten eines älteren Titisee-Fotos: Ich habe das Reise-Preset probeweise über eine Aufnahme mit Tannen im Hintergrund gelegt, und ausgerechnet der Grünton der Nadelbäume hat sofort gestimmt, obwohl das Preset eigentlich für ganz andere Motive gedacht war.
Neue Presets teste ich seitdem zuerst an Wanderungen durch die Wutachschlucht zwischen Schattenmühle und Wutachmühle, wo Reiner und ich häufiger unterwegs sind. Dichter Mischwald, wechselndes Licht zwischen den Felswänden, mehrere Grüntöne gleichzeitig im Bild. Wenn ein Preset dort in fünf, sechs unterschiedlichen Lichtsituationen hintereinander funktioniert, vertraue ich ihm auch bei anderen Motiven. Wo genau man dabei auf dem Weg vom ersten Grundkurs bis zur Spezialisierung gerade steht, ist ohnehin für jeden anders.
Acht Wochen später sieht man den Unterschied im Druck
Nach acht Wochen mit dem ersten Komplettkurs lagen genug bearbeitete Dateien nebeneinander, dass der Unterschied zu den ersten Versuchen vom Frühjahr nicht mehr zu übersehen war, nicht als plötzlicher Geistesblitz, sondern weil sich Woche für Woche einfach mehr Routine angesammelt hatte. Welcher Regler in Lightroom im Detail was bewirkt, erkläre ich hier bewusst nicht, das würde den Rahmen sprengen, aber ohne dieses Grundverständnis bleibt jedes Preset reine Glückssache.
Blende, ISO und Belichtungszeit hatte ich vorher nie richtig verinnerlicht, weil das Smartphone all das im Hintergrund für mich geregelt hat, ohne dass ich je einen Regler dafür anfassen musste. Einen Monat lang habe ich parallel eine englischsprachige Alternative zu Lightroom getestet und wieder verworfen, weil mir aufgefallen ist, wie viel schneller deutsche Erklärungen bei mir hängenbleiben, wenn es um Fachbegriffe wie Tonwerte oder Weißabgleich geht.
Eine Leserin, Adelheid Ströhle, hat mir vor einiger Zeit über das Kontaktformular geschrieben und wollte sehr konkret wissen, welcher Kurs auch ohne tiefere PC-Kenntnisse machbar ist. Meine Antwort war knapp: Das hängt weniger vom Kurs ab als davon, ob man bereit ist, sich durch die ersten zwei, drei Module durchzubeißen, bevor irgendetwas davon Sinn ergibt. Danach wird es spürbar leichter.
Die eine Lehre, die bei mir hängengeblieben ist: Man lernt Bildbearbeitung wie jedes andere Handwerk auch, in fester Reihenfolge und mit Wiederholung, nicht als Sammlung zufälliger Tipps aus dem Netz. Der Smartphone-Look von früher taucht bei mir inzwischen höchstens noch auf alten Fotos auf, nie mehr auf den aktuellen Drucken vom Schwarzwald, die bei uns im Flur hängen.
