
Ein Berufstätiger braucht mehrere Wochen, bis aus wildem Reglerschieben in Lightroom ein Workflow für die Bildbearbeitung wird, der nach Feierabend wirklich funktioniert. Der Laptop steht bei mir auf einem Holztisch im Wohnzimmer in Freiburg, eine externe Festplatte mit dem kompletten Sony-Archiv griffbereit daneben, während durchs Fenster ohne Jalousien noch der Abendschein vom Innenhof hereinkommt. Auf dem Bildschirm liegt gerade ein Rohdatenformat vom Feldberg-Gipfel, aufgenommen kurz nach Sonnenaufgang – die Datei meiner Sony Alpha 6400 wirkt flach und blass, obwohl das Licht davor draußen alles andere als langweilig war. Mein Smartphone hätte das Bild automatisch aufgehübscht und mir die Entscheidung abgenommen. Ich wollte aber in der Fotografie verstehen, was ich da eigentlich verändere, statt nur einen Regler nach Gefühl zu verschieben.
Der erste Lightroom-Komplettkurs war die Wende
Am Anfang hab ich mir Technik-Erklärungen aus verschiedenen Kanälen zusammengesucht – wie man von diesem Zufallsprinzip zu einem Kurs mit rotem Faden kommt, ist nochmal eine andere Geschichte, die ich an anderer Stelle im Detail durchgehe. Für mich zählte vor allem eine Zahl: Pro Bild saß ich am Anfang gut 20 Minuten am Rechner, oft mit einem Ergebnis, das schlechter aussah als das JPEG direkt aus der Kamera.

Irgendwann hab ich die Reißleine gezogen und mir einen ersten Lightroom-Komplettkurs geholt. Seitdem läuft der Import mit einer Grundkorrektur, die vorher gefehlt hat, und die Bearbeitungszeit ist spürbar gesunken. Wer wie ich acht Stunden Büro hinter sich hat, will abends kein drittes Meeting mit den Farbreglern führen – ein System, das pro Bild eher bei 15 Minuten liegt, macht am Ende den Unterschied zwischen Hobby und Frust.
Der Klarheit-Regler auf Anschlag – eine teure Lektion
Nicht jede Lektion hat sofort gesessen. In den ersten Wochen hab ich den Klarheit-Regler bei praktisch jedem Bild auf plus 100 gezogen, weil das auf den ersten Blick knackiger wirkte. Ergebnis: harte Kanten an jedem Ast, unnatürliche Strukturen in Gesichtern, und eine ganze Serie vom letzten Wochenende, die ich am Ende komplett neu bearbeiten musste. Der Regler macht genau das, was er soll – nur eben nicht in der Dosis, die ich ihm gegeben habe.

Ein Histogramm lesen zu können, hat mir am Ende mehr gebracht als jeder einzelne Regler-Tipp – es zeigt, wo die Tonwerte tatsächlich liegen, statt nur zu raten. Einen zweiten Kurs habe ich mir später zum Vergleich geholt, eher aus Zahlen-Interesse: wie viele Lektionen pro Woche, wie viel Aufwand pro Modul, was am Ende wirklich hängen bleibt. Was ein Kurs am Ende pro Lektion wirklich kostet, ist eine eigene Rechnung, die ich an anderer Stelle im Detail durchgegangen bin. Ob man mit einem Grundkurs startet oder gleich in eine Spezialisierung geht, ist ohnehin eine Weichenstellung, die jeder anders für sich trifft – bei mir kam die Spezialisierung erst, als mein Schwiegervater mich für Fotos zu seinem Hausverkauf gefragt hat. Die Sony Alpha 6400 RAW Bilder bearbeiten: Den Smartphone Look hinter sich lassen-Grundlagen halfen mir dabei, aber ich musste dazulernen, wie man Masken gezielt statt flächig einsetzt.
Am Feldberg zeigte sich der Unterschied
Etwa in der zehnten Woche, in der ich regelmäßig nach Feierabend geübt habe, kam der Moment, an dem sich das Ganze zusammengefügt hat. Am Feldberg-Gipfel, diesmal beim Sonnenuntergang, standen die Wolken in einem Orange, das ich vorher nie richtig auf den Schirm bekommen hatte. Diesmal sah das bearbeitete Bild tatsächlich so aus, wie ich die Szene selbst in Erinnerung hatte – kein Rätselraten mehr, sondern eine Reihenfolge aus Weißabgleich, Tonwertkorrektur und ein bisschen Dunst entfernen, die ich nachvollziehen konnte.

Reiner, ein Kollege aus der Controlling-Abteilung, mit dem ich ab und zu auf den Feldberg wandere, hat mich neulich nach dem Unterschied zwischen den Reglern gefragt – seine eigene Nikon liegt bei ihm meist unangetastet im Schrank. Welcher Regler was genau mit den Tonwerten macht, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher; ihm hab ich nur gesagt, dass Blende, ISO und Zeit am Anfang für mich auch nur Begriffe aus einem Glossar waren, bis ich sie an eigenen Bildern durchgespielt habe.
Warum liegen meine Fotos jetzt eine Woche, bevor ich sichte?
Getestet habe ich nebenbei auch eine englischsprachige Alternative zu Lightroom, bin aber nach ein paar Wochen zurück zu Adobe gewechselt – nach einem langen Bürotag will ich keine Fachbegriffe mehr übersetzen. Dass ein deutsches Interface abends einfach leichter von der Hand geht, ist selbst nochmal ein eigenes Thema, das ich in meinem Vergleich deutscher Lightroom Kurse aufgeschrieben habe. Ein Preset-Paket habe ich mir ebenfalls geholt, um ganze Bildserien schneller durchzubekommen – wie gut sich das im Alltag wirklich schlägt, ist noch mal ein eigenes Kapitel. Wer sich fragt, ob sich laufende Kosten überhaupt lohnen, findet in Lightroom Kurs Einmalzahlung oder Abo? Tipps zur Kurswahl für Hobbyfotografen meinen Rechenweg dazu.
Die größte Umstellung war aber keine Lektion, sondern eine Regel, die ich mir selbst gesetzt habe: Neue Aufnahmen lasse ich jetzt mindestens eine Woche liegen, bevor ich überhaupt sichte. Direkt nach einer Tour bin ich noch zu emotional aufgeladen und finde jedes Bild gut. Mit einer Woche Abstand lösche ich in der Regel um die 80 Prozent und bearbeite nur noch den Rest – meistens passt das in zwei Stunden nach Feierabend. Eine Leserin, Adelheid Ströhle, hat mir vor einiger Zeit geschrieben und von ihren eigenen Fortschritten nach mehreren Wochen mit einem Kurs berichtet; ihre Erfahrung deckt sich mit meiner: Nicht der teuerste oder umfangreichste Kurs bringt den Sprung nach vorne, sondern die Frage, ob man das gelernte System auch nach einem vollen Arbeitstag noch durchhält.